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Wie alles begann...

(von Vereinsgründer Michael Weiss)


Phnom Penh SlumMein, oder besser unser, erster Kontakt mit Straßenkindern in Kambodscha ergab sich anlässlich einer Urlaubsreise, die meine Frau Veronika und mich von Thailand aus im Februar 1999 über Phnom Penh nach Angkor und über Phnom Penh zurück nach Deutschland führte. Über die elenden Verhältnisse in Kambodscha nach der Zeit des Regimes der Roten Khmer muss an dieser Stelle nicht berichtet werden.

Anlässlich eines längerfristigen beruflichen Engagements in Thailand habe ich dann wiederholt das faszinierende Angkor besucht. Dabei gab es zufällige Kontakte mit bettelnden Straßenkindern. Daraus wurden mit der Zeit - die Kinder erinnerten sich an mich wohl deshalb, weil ich kein Geld gab, sondern Ihnen an den diversen Garküchen auf dem Markt Essen ausgab - zutraulichere Kontakte. Diese führten zu meinem Versprechen, den Kindern über das Essen hinaus ein Dach über dem Kopf (die Regenzeit dort ist gewaltig) zu besorgen und den gewünschten Schulbesuch zu ermöglichen, nachdem ich die Müllecken, in denen die Kinder z. T. alleine oder in kleinen Gruppen schliefen, gesehen hatte.

essenIch hatte mir naiv vorgestellt, wir könnten eine Hilfsorganisation finden, die bis auf unsere Auswahl der Kinder alles Weitere gegen Kostenübernahme erledigt.

Dass dies aus vielerlei Gründen nicht glückte, frustrierte mich einerseits, andererseits fand ich vor Ort tätige Menschen, die Veronika und mir Mut machten, mit ihrer Hilfe mein Versprechen an die Kinder auch ohne NGOs (Non Goverment Organisations) einlösen zu können.

Wir fanden dank der Hilfe dieser Menschen eine Organisation mit Heim im zentralen Slum von Phnom Penh, die mangels Sponsoren dem Untergang geweiht war.

Diese Situation machte es uns möglich, unsere Arbeit zu Gunsten der Kinder zunächst an diesem Ort zu starten. Veronika und ich übernahmen die Kostengarantie einschließlich medizinischer Versorgung für die Kinder. Von anfänglich 23 war die Zahl der Kinder bis Sept. 2001 auf 72 angewachsen.

Bis Ende 2001 konnten wir die Finanzierung allein mit der engeren Familie sichern, 2002 haben sich Freunde und Bekannte gefunden, die gerne dazugegeben haben.

KidsDas Jahr 2002 zeigte uns dann, mit welchen unerwarteten Problemen man fertig werden muss, u.a. wurde der Slum z. T. abgebrannt, Bulldozer standen Ende 2002 an unserer Heimgrenze. Weitaus schrecklicher war, dass der einheimische Heim-Direktor des sexuellen Missbrauchs an einem unserer Mädchen beschuldigt und durch unsere Bemühungen Ende 2002 der Tat überführt und (gegen den grimmigen Widerstand der Slumbevölkerung) inhaftiert wurde.

Dies alles führte dazu, dass wir im Dez. 2002 eine neue Bleibe für die Erwachsenen und Kinder suchten und schließlich auch fanden.

Anfang 2004 mußten wir noch einmal umziehen, da die uns mit dem Haus vermietete notwendige Freifläche durch Straßenneubau fast vollständig wegfiel und so ein weiteres Bleiben aus Sicherheitsgründen unmöglich wurde.

LandDiese Erfahrungen zeigten: Es musste eine langfristige Lösung gefunden werden. Meine Frau und ich entschlossen uns, gut 2,5 ha  Land im Ansiedlungsgebiet vor der Stadt in Nähe einer Schule zu erwerben. Dort sollte die neue Heimat unserer Kinder und Mitarbeiter sein.

Die Pläne für das neue Dorf entstanden in gemeinsamer Arbeit mit den Kindern. Als Erstes bastelten die Kinder sich selbst als Püppchen. Jedes Kind bekam vorher für sein Püppchen eine kleine Schlafmatte (5 x 10 cm), um die Größenverhältnisse zum Modelbau zu erkennen. In diesem Maßstab wurde dann ihr Bett, dann ihr Zimmer, dann als Familie mit den Erwachsenen ihr Haus, dann mit anderen Familien das Dorf in immer größeren Arbeitskreisen entwickelt. Alle waren begeistert dabei, ihre bescheidenen Träume von der neuen Heimat im Kleinen zu formen.
buildBei dieser spielerischen gemeinsamen Arbeit wuchs sowohl bei den Kindern als auch bei den erwachsenen Mitarbeitern das in ihrer meist schweren Vergangenheit verlorengegangene Gefühl und Verständnis für die Notwendigkeit sozialen Zusammenhalts und für die Vorteile, die sich aus persönlichem Einsatz in der Gruppe ergeben.

Das endgültige Modell war so gut, dass es den dortigen Behörden zu Baugenehmigung genügte. Diese wurde uns im Juni 2004 offiziell erteilt. Geplant ist zunächst ein Dorf aus 10 Wohnhäusern für die Kinder, einem Versammlungshaus, einem Küchenhaus, einem Torhaus mit Werkstätten und Verwaltungsraum, einem Generatorhaus und einer Tagesstätte für weitere Kinder aus dem benachbarten Slum. Trinkwasseraufbereitung, Abwasserklärung, Stromversorgung, Müllentsorgung, Kochen mit Sonnenenergie, Kleintier- und Fischzucht sowie handwerkliche Ausbildung im Dorf sollen natürlich von qualifiziertem Rat z. B. durch die GTZ - (deutsche "Gesellschaft für technische Zusammenarbeit") - geleitet werden.

Unser Ziel ist hoch gesteckt: Wir wollen ein Soziales Zentrum bauen, in welchem Eigeninitiative durch Ausbildung in Sozialarbeit, Sanitätsdienst, Handwerk und Landwirtschaft gefördert wird. So kann sich eine - wenn auch zunächst subventionierte - Existenzgrundlage für die Mehrzahl der uns anvertrauten Menschen entwickeln.

Die sinnvolle Beteiligung möglichst vieler Menschen aus dem sozialen Brennpunkt unserer Nachbarschaft zu ermöglichen und die damit verbundene Eigenverantwortung zu fördern sollte schon beim Bau unseres Dorfes einen wesentlichen Teil unseres Engagements in Anspruch nehmen.

Die Arbeit vor Ort wird von Nico Mesterharm, einem Dokumentarfilmproduzenten und seinem Team (siehe Kanal ARTE über Kambodscha) filmisch als Langzeitstudie begleitet und dokumentiert.

Für die Realisierung unserer Pläne reichen unsere Mittel nicht aus, deshalb sind wir in Zukunft auf mehr Spenden angewiesen. Hierfür ist die Gründung eines gemeinnützigen und mildtätigen Vereins in Deutschland erfolgt, um Spendenbescheinigungen ausstellen zu können.

mweissWie es weitergeht mit "unseren" Kindern, ihrem Dorf und dem KK e.V. können Sie jetzt auf diesen Internetseiten verfolgen.

Mein Dank gilt allen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen.

Michael Weiss